top of page

Kiebitz in Not – BirdLife Österreich kürt den Vogel des Jahres 2026

  • Autorenbild: Ein Beitrag des ornithologischen Vereins „Die Drossel“
    Ein Beitrag des ornithologischen Vereins „Die Drossel“
  • 16. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Der Kiebitz (Vanellus vanellus), ein markanter Bodenbrüter unserer Kulturlandschaften, wurde von BirdLife Österreich zum Vogel des Jahres 2026 ernannt. Diese Entscheidung rückt eine alarmierende Entwicklung ins Bewusstsein: Die österreichweiten Bestände haben sich in den letzten 25 Jahren halbiert, aktuell leben nur noch 3.800–6.900 Brutpaare im Land.

Unser Vereinsornithologe Alwin Schönenberger beschreibt den Kiebitz als eine Art Gradmesser für die ökologische Qualität unserer Landschaften:


„Der Kiebitz ist ein Barometer für den Zustand unserer Kulturlandschaft. Wenn er verschwindet, zeigt das ganz klar: Die Landschaft verliert Struktur, Feuchtigkeit und Insektenreichtum.“  - Alwin Schönenberger


BirdLife betont dennoch, dass der Kiebitz nicht verloren ist, sofern gezielte Schutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden. Als sogenannte Schirmart profitieren viele weitere Feld- und Wiesenvögel von seinem Schutz.


Kiebitz in Wiesenlandschaft
Copyright: Katharina Amann, www.vogelv.at

Warum der Kiebitz verschwindet

Sein ursprünglicher Lebensraum – offene, feuchte Wiesen – wurde großflächig trockengelegt und intensiv genutzt. Der Kiebitz wich daher zunehmend auf Ackerflächen aus. Doch auch dort ist er verschiedensten Gefährdungen ausgesetzt:


  • Frühe Bodenbearbeitung zerstört Brutplätze, oft bevor die Küken schlüpfen.

  • Dichtes Pflanzenwachstum macht Flächen für Jungvögel unpassierbar.

  • Trockene, nährstoffreiche Böden bieten zu wenig Insekten – elementar für die Kükenentwicklung.


Besonders deutlich wird diese Problematik im Biotop Lustenau, das Alwin seit Jahren beobachtet. Er berichtet, wie sensibel der Kiebitz auf Veränderungen reagiert:


„Im Biotop Lustenau sehen wir erfreuliche Lichtblicke: Dort, wo Feuchtstellen erhalten bleiben und Landwirt:innen bewusst später mähen oder einsäen, kommt der Kiebitz wieder zum Brüten. 2024 hatten wir zwei Brutpaare mit Schlupferfolg – ein starkes Signal.“  - Alwin Schönenberger


Prädationsdruck nimmt zu

Ein oft unterschätzter Faktor ist zudem der steigende Druck durch Prädatoren. Füchse, Marder, Rabenvögel und zunehmend auch verwilderte Hauskatzen finden in ausgeräumten Agrarlandschaften leicht zugängliche Nester. Fehlende Deckung, lineare Strukturen wie Wege oder Gräben und hohe Prädatorendichten in immer kleineren Brutgebieten führen dazu, dass selbst erfolgreiche Erstgelege häufig keine Jungvögel großziehen.


Copyright: Katharina Amann, www.vogelv.at
Copyright: Katharina Amann, www.vogelv.at

Schutz, der funktioniert

BirdLife zeigt mit dem Projekt „Gemeinsam für den Kiebitz“, dass moderne Landwirtschaft und Artenschutz Hand in Hand gehen können:


  • Spätanbau von Mais und Soja schützt die wichtigen Erstgelege.

  • Markierte Nester werden bei der Bewirtschaftung gezielt ausgespart.

  • Kiebitz-Inseln – kleine, bis Juni ungenutzte Bereiche – erhöhen den Bruterfolg deutlich.

  • Enge Kooperation mit Landwirt:innen ist der Schlüssel für erfolgreichen Schutz.


Auch im Rheintal führt dieses Zusammenspiel zu messbaren Erfolgen.


Beim Kiebitzschutz ist heute ein aktives Management der wichtigste Schutzfaktor. Ein gutes Einvernehmen mit den Landwirt:innen ist dabei entscheidend, ebenso wie die Minimierung der Prädation in enger Zusammenarbeit mit der Jägerschaft. Im Auer Ried ist das gegeben, und mit der Schaffung des Kiebitzbiotops gibt es gute Aussichten, den Kiebitzbestand in Vorarlberg langfristig zu erhalten.“  - Alwin Schönenberger


Was wir alle beitragen können

Der Kiebitz ist für unseren Verein Die Drossel ein Symbol dafür, wie wertvoll und gleichzeitig verletzlich unsere Kulturlandschaften sind. Jede und jeder kann einen Beitrag leisten:


  • Feuchtstellen und Brachen erhalten

  • In der Brutzeit Wege nicht verlassen

  • Markierungen von Nestern respektieren

  • Lokale Landwirt:innen im Artenschutz unterstützen

  • Regionale Projekte fördern


So können wir gemeinsam sicherstellen, dass der Kiebitz – und viele andere Arten – auch künftig ein fester Bestandteil unserer Landschaft bleiben.


Copyright: Katharina Amann, www.vogelv.at
Copyright: Katharina Amann, www.vogelv.at

Weiterführende Informationen & Referenzen

Für ausführliche Hintergrundinformationen empfehlen wir den offiziellen Artikel von BirdLife Österreich:


 👉 Vogel des Jahres 2026 – Kiebitz


 
 
 

Kommentare


Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Bitte den Website-Eigentümer für weitere Infos kontaktieren.
bottom of page